Aller Jahre wieder

Auch 2015 ist die Aller-Hochwasser-Rallye mal wieder mein Einstieg in die Saison. Rücken und verlängertes Rückenmark wollen an sitzende Tätigkeit gewöhnt werden. Während sie dies leidlich gut erledigen, windet sich unter dem Rumpf die Aller Richtung Nordwesten. Typisches Bild: Rechtskurve, Hausansammlung mit Storchennest zur Linken. Das ist natürlich sehr idyllisch. Ein wenig mehr Kreativität hätte man dem Landschaftsarchitekten doch abverlangen können. Fantasievoller waren seine Kollegen aus der Meteorologie. Haben sie sich doch etwas ausgedacht, was so gar nicht zur Realität passen wollte. Bei angenehmem Sonnenschein und langen Rückenwind-Strecken kam so mancher Paddler angesichts der eher pessimistischen Bekleidung ein wenig ins Schwitzen.

Apropos Rechtskurve (steht im Text ziemlich weit oben, aber eine Überleitung muss her). So mancher fragt sich auf fließenden Gewässern, ob er in Kurven eher auf der Innenseite (kurz) oder Außenseite (schnell) bleiben soll. Daher ein paar Gedanken zur Anatomie des Flusses:

  • Grundsätzlich ist der Fluss in der Mitte am tiefsten und die Strömung am stärksten. Auf der Geraden ist es also zunächst sinnvoll, dort zu paddeln.
  • In einer Kurve sorgen die Zentrifugalkräfte dafür, dass die Strömung an der Außenseite stärker ist und das Flussbett dort tiefer. Auf der Innenseite ist der Fluß in der Regel flach und die Strömung schwach.
  • Die Außenseite ist also die einfachere und kräftesparendere Alternative. Die Innenseite ist kürzer, benötigt aber mehr Kraft, gerade über sehr flachen Abschnitten.
  • Die Entscheidung für eine Seite hängt damit von Ambition und Kondition ab. Im Zweifel ist die Mitte einer gesunder Kompromiss zwischen schnell und kurz.

Wintertraining auf dem Kajak-Ergometer

An meine ersten Erfahrungen mit einem Paddelergometer erinnere ich mich noch gut. Birgit Fischer hat so ein Ding in ihrem Garten stehen und beginnt damit in ihren Kursen eine Bestandsaufnahme der bei den Kursteilnehmern vorhandenen Paddeltechnik. Ich saß zum ersten Mal auf solch einer Maschine und hatte schlicht Orientierungsprobleme, ohne Wasser und Kajak das Paddel zu führen. Von meinen eher hektischen Versuchen erlöste sie mich dann mit der vor Motivationskraft sprühenden Frage in die Runde der Kursteilnehmer: „Kann das mal jemand machen, der auch paddeln kann?“ Seit letztem Winter steht ein Ergometer auch bei mir zu Haus und ich habe ihn gerade für die zweite Wintersaison entstaubt. Das gibt mir Gelegenheit für eine eigene Bestandsaufnahme.

Anlass, mir selbst einen Ergometer zuzulegen, war weniger das Interesse an Technik- als vielmehr Krafttraining für Zeiten, in denen ich nicht auf’s Wasser komme – also vor allem im Winter. In Paddlerkreisen sind die Meinungen, was Paddelergometer angeht, ja eher geteilt bis kritisch. Klar bin ich auch lieber im Kajak auf dem Wasser. Aber in Berlin gibt es laaange Winter, in denen man gar nicht paddeln kann, eine noch längere Zeit, in der Berufstätige maximal am Wochenende auf’s Wasser kommen und dann kommen noch andere Verpflichtungen, Hobbies und Familie dazu.

Mein Paddlelite Pro

Da ich keinen Garten mit überdachter Veranda wie Birgit Fischer habe, kam für mich eigentlich nur der Paddlelite Pro in Frage. Großer Vorteil dieses Geräts ist nämlich, dass er deutlich kürzer als die üblichen Ergometer ist. Mit seinen 1,80m Länge kann er problemlos im Wohnzimmer genutzt und nach dem Training aufrecht in der Ecke verstaut werden. Gerade am Anfang habe ich versucht, die Anstrengung und Bewegungsabläufe möglichst viel zu vergleichen – das kommt erstaunlich gut hin und die Paddelbewegung kann gut imitiert werden. Das Gerät bietet zur Einstellung direkt am Schwungrad fünf Schwierigkeitsstufen, die laut Anleitung von Wanderboot bis Rennboot reichen, was ebenfalls ganz gut passt. Leider muss man die am Trainingscomputer nochmal zusätzlich umstellen, um auch die richtigen Leistungswerte angezeigt zu bekommen. Nachdem ich anfänglich auch mit höheren Widerständen gefahren bin, nutze ich jetzt aber sowieso meistens die als Standard hinterlegte Stufe 2.

Der Trainingscomputer ist eher spartanisch und bietet lange nicht so viele Informationen wie etwa die von Concept2-Ruderergometern. Konfigurierbar ist er leider gar nicht, sodass man mit den voreingestellten Ansichten klarkommen muss. Das Gerät soll sich auch mit einem Pulsgurt koppeln lassen und dann die im Trainingscomputer für die Herzfrequenz vorgesehene Anzeige füllen. Entsprechende Versuche sind allerdings gescheitert. Ein Garmin-Pulsgurt funktioniert gar nicht. Ein Polar-Pulsgurt lässt sich zwar koppeln, allerdings sind die angezeigten Werte eher Fantasiewerte. Nach diesen Versuchen habe ich das auch gar nicht weiterverfolgt. Orientiert man sich für das Training an den eigenen Frequenzbereichen, ist es sowieso sinnvoller, eine vernünftige Trainingsuhr zu nutzen, die Intervalle vorgeben kann. Die kann auch problemlos an der Fußstütze befestigt werden und bleibt so im Blick.

Anpassungen

In einem stimme ich aber mit den Erg-Hassern überein: Paddeln auf dem Ergometer kann echt langweilig werden. Und stundenlang auf den blau leuchtenden Trainingscomputer zu starren, macht echt kirre. Ich habe daher meinen Ergometer um eine „Halterung“ für mein iPad erweitert. Genau genommen, sind das einfach ein paar selbstklebende Gumminoppen, die das Tablet in aufrechter Position halten. Mit drahtlosem Bluetooth-Kopfhörer gibt es dann Science-Fiction-Serien in Ton und Bild. Die Länge einer Folge gibt auch gleich die Länge des Workouts vor: nämlich knapp 45 Minuten.

Zusätzlich habe ich noch die Füße des Ergometers mit Heizungsrohrummantelung gepolstert. Wenn man sich nämlich ins Zeug legt, ist das Gerät nicht gerade leise und die Schwingungen werden direkt auf den Fußboden ins nachbarliche Wohnzimmer übertragen. Mit der Polsterung wird das reduziert und außerdem hat der Ergometer so ein wenig Spiel, um sich selbst vor und zurück zu bewegen. Die Kraftübertragung wird so ein wenig abgefedert und geht nicht direkt in die Knochen.

Fazit

Auch wenn die Anschaffung des Paddlelite Pro finanziell ganz schön ins Kontor schlägt, hab ich den Kauf nicht bereut. Ein Ruderergometer war für mich keine Alternative, da ich die gleichen Muskeln wie beim Paddeln trainieren und insbesondere die Körperrotation nicht missen möchte. Mit zeitlich geringem Aufwand und einem Intervalltraining kann ich mich jetzt auch im Winter auspowern und anschließend direkt unter die Dusche.

Hier finden sich noch die Erfahrungen anderer Paddler mit ihrem Erg: ode to an erg | how we pimped our erg

Grönlandtechnik mit Greg Stamer

Die besten Texte zur Paddeltechnik mit dem Grönlandpaddel stammen von Greg Stamer. So war ich einigermaßen begeistert, dass Seakayaking Germany ihn für eine Workshopreihe in Flensburg gewinnen konnte. Mein Hauptinteresse galt der Technik mit dem Paddel – trotzdem ließ ich mich überzeugen, auch am Rollen-Workshop für Fortgeschrittene teilzunehmen. Und das hat sich definitiv gelohnt. Mir geht es aktuell weniger darum, irgendwelche neuen Arten von Rollen in verrückten Körperhaltungen und Paddelpositionen zu erlernen. Vielmehr will ich die Standardrollen, die ich schon beherrsche, festigen und weiter perfektionen. Greg hat schon mehrmals an den Greenland Kayaking Championships teilgenommen und in Grönland von Grönländern gelernt. So hat er einen guten Blick für Details und kann auch Hintergründe der einzelnen Rollen gut vermitteln. Einige seiner prägnanten Kommentare wie „der Teil ist nur für die Show“ oder „dafür würden sie Dir während der Championships Punkte abziehen“ haben definitiv geholfen, die Rollen eleganter aussehen zu lassen und gleichzeitig zusätzliche Sicherheitsaspekte zu integrieren.

Der für mich viel interessantere Teil waren aber die zwei folgenden Tage, in denen es mal nicht darum ging, was die meisten Paddler mit dem Grönlandpaddel machen – nämlich rollen. Vielmehr standen die Grundlagen der Fortbewegung, Manövrieren und Stützen auf dem Programm. Mein erklärtes Ziel, Hinweise für einen effizienteren Vorwärtsschlag zu bekommen und damit das Geschwindigkeitspotenzial zu steigern, haben sich voll erfüllt. Ich fahre nach Hause mit einer längeren Liste von Optimierungspotenzial und einem tieferen Verständnis für Bewegungsabläufe und Wirkungsweise des Paddels. Daraus ergeben sich viele Punkte, die ich bei Gelegenheit in meine Rubrik zur Grönlandtechik einarbeiten werde. Zusätzlich haben sich mir noch Sachen erschlossen, die ich vorher noch nicht wirklich probiert hatte, insbesondere verschiedene Formen von Bugrudern. Unter dem Strich: ein großartiges Wochenende mit vielen Aha-Effekten und einem großartigen Coach in sehr angenehmer Runde von Mitpaddlern.

Björn von liquidmedicine.de hat einen kleinen Film über den Rollenkurs gedreht.

Rock’N’Roll!

Das erste Mal in einem Kajak saß ich in einer Schwimmhalle in Osnabrück. Das Ganze ist fast fünfzehn Jahre her und ich wollte die Eskimorolle lernen. Irgendwie fanden zwei Freunde und ich das Flugblatt des Unisports in der Mensa lustig und wir wollten uns mal wirklich wichtige Fähigkeiten aneignen – studium generale und so. Ruckzuck hatte ich den Dreh raus und nach dem zweiten Termin konnte ich rollen. Zwei Jahre später im Schwedenurlaub war dann Angeben angesagt. Schnell in den Neoprenanzug und raus auf den See. Noch schneller war ich wieder auf dem Boden der Tatsachen. Die Erfolgsquote lag bei unter fünf Prozent und das Wasser des Sees war einmal komplett durch meine Nasennebenhöhlen gefiltert. Immerhin gibt es noch ein Beweisfoto (zumindest vom Reinfallen und davon, dass ich am Hinterkopf mal Haare hatte).

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Als ich Jahre später begonnen habe, regelmäßig zu paddeln, war der Weg zur Rolle lang und steinig. In seinem Blog hat Gero dazu mal einen schönen Artikel geschrieben. Ähnlich lief es bei mir. Trotz stundenlanger Versuche im Nichtschwimmerbecken von Lindow und viel Geduld (zumindest von Gero) wollte der Knoten nicht platzen. Bei meinen Versuchen auf dem See war durchgehend Catharinas Bootsspitze zur Eskimorettung notwendig. Den entscheidenden Durchbruch brachten knapp fünf Minuten mit Silke – die Grundlagen waren längst verinnerlicht, aber der Grobmotoriker in meinem Kajak konnte sie nicht zusammensetzen. Statt irgendwelcher Bogenschlagsversuche mit oder ohne Paddelfloat, ermutigte mich Silke, mein Grönlandpaddel im rechten Winkel zu halten – sie hielt die andere Seite. Im Ergebnis sei das nichts anderes als die Eskimorettung, die ja bereits bestens funktionierte. Das klappte sehr gut – auch als sie das Paddel bei der nächsten Rolle losließ… und beim nächsten Dutzend Hangrollen.

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Nachdem die erste Rolle erstmal halbwegs sicher saß, war die Weiterentwicklung eine Frage von Zeit und Geduld. Die Übertragung auf die „schlechte“ Seite ging nicht von heute auf morgen. Vorteil war aber die Sicherheit, auf der Schoko-Seite sicher hochrollen zu können. So endeten Fehlversuche nicht zwangsläufig mit einem nassen Ausstieg, sondern mit einem tiefen Atemzug auf der guten Seite. Die Feuerprobe bestand ich in der Brandung vor Wangerooge mit einer Rolle, die nicht auf Ansage erfolgte, sondern in einer brechenden Welle, die mich schlicht umwarf. Seitdem arbeite ich kontinuierlich daran, weniger Kraft einzusetzen und das Paddel auch mal wegzulassen. Schwimmhallen sind daher im Winter weiterhin ein beliebtes Paddelrevier. Einer der Freunde vom Rollenkurs in Osnabrück behauptet seit Jahren, er könnte weiterhin aus dem Stand rollen. Demnächst gebe ich ihm die Gelegenheit zum Versuch.

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Entdecke Deine Möglichkeiten

EdM_2013_2An diesem Wochenende waren wir zu Gast in der Kanu-Vereinigung-Köpenick. Dort organisiert Rolf einmal im Jahr unter dem schönen Motto „Entdecke Deine Möglichkeiten“ eine Langstreckentour zur Großen Tränke und zurück. Den Paddlern im Nordwesten sagt das wenig und die Distanz schreckt erst einmal viele ab, vielleicht auch zweimal. 66 km im Boot stehen an. Wie bei zwei anderen Teilnehmern soll es auch bei mir die Generalprobe vor dem Hiddensee-Marathon sein.

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Los geht es früh im Pulk über den Seddinsee Richtung Oder-Spree-Kanal. Dort heißt es erst mal wieder komplett sammeln, da nur in der Gruppe geschleust wird. Am Schleusenwehr stürzen sich uns beeindruckende Wassermassen entgegen. Auch im Kanal strömt es anschließend ordentlich. Dafür ist es allerdings schöner als gedacht. Der Kanal ist nicht schnurgerade und ziemlich grün. Zwischendurch beehrt uns sogar ein Otter, der vor unseren Booten den Kanal queren will, sich dann aber doch mit einem eindrucksvollen Platschen in die Tiefe verabschiedet. Nach gut 20 km im Kanal liegt dann recht idyllisch die ehemalige Schleuse „Große Tränke“. Hier heißt es normalerweise Umsetzen. Allerdings steht heute das Wasser so hoch, dass das Wehr problemlos überfahren werden kann. Nach einer Snackpause geht es auf den noch schöneren Teil der Strecke.

EdM_2013_8Die Müggelspree windet sich von hier aus Richtung Berlin. Weitestgehend naturbelassen findet man direkt vor den Toren Berlins ein kleines Paradies für Wasserwanderer. Die vom Biber und den Stürmen der letzten Tage gefällte Bäume vervollständigen den Eindruck des Urwüchsigen. Windung um Windung drückt uns die Strömung voran – wie sich das für einen Rückweg gehört, hilft sie uns jetzt nämlich. Vorbei geht es an Reihern, einer Armada von Libellen und farbenfrohen Faltern. Ob es nun an der bereits zurückgelegten Distanz liegt oder tatsächlich an einer Übersättigung, irgendwann frage ich mich doch genervt, wie viele Kurven da wohl noch kommen mögen. Und so bin ich recht guter Dinge, als irgendwann dann doch der Dämeritzsee als das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels in Sicht kommt. Von hier aus biegen wir nach kurzer Querung ab zurück zum KVK.

Auch wenn die Eckdaten den einen oder anderen abschrecken mögen, ist diese jährliche Tour eine sehr charmante Langstreckenfahrt. Und hetzen tut hier keiner. Wo wir schon mal in der Gegend waren, haben wir am Sonntag die Gelegenheit für die „Große Umfahrt“ rund um die Müggelberge genutzt. Eine weitere herrliche Tour in südost-Berliner Gewässern.

(Fast) 100 – In großem Bogen rund Potsdam

Potsdam_100So manche Tour wurde im TKV ja bereits als Schinderei verschrien. Mir ist das nicht genug und ich bilde mir ein, eine weitere Langstreckentour wäre noch eine gute Vorbereitung für den Hiddenseemarathon in zwei Wochen. Also klingelt mein Wecker an einem Samstagmorgen einmal mehr deutlich früher als unter der Woche. Mit reichlich Müsliriegeln und Bananen auf dem Deck sowie 500 g Bananenquark im Bauch lege ich um 6:15 Uhr am TKV ab. Die Stimmung ist herrlich und der Tegeler See macht in der Morgensonne einiges her. Hier und die Havel entlang lümmeln bereits erstaunlich viele Angler rum… Über die Spandauer Havel geht es Richtung Wannsee. Die Havel hat einiges an Strömung – zeitweilig fahre ich 12 km/h. So fahre ich nicht wie gewohnt durch Klein Venedig, sondern bleibe im drögen Kanal und lasse mich schieben. An Grunewaldturm, Pfaueninsel und Sacrower Heilandskirche vorbei geht es die Havel runter in den Sacrow-Paretzer Kanal. Ich habe mir vorgenommen, zwei längere Touren, die ich in der Vergangenheit bereits häufiger gefahren bin, kombiniert an einem Tag zu fahren. Mit der Griebnitzsee-Tour und der Runde um Potsdam gibt das ziemlich genau 100 km. Schöne Zahl…

Auch hier im Kanal strömt es gut, sodass ich schon nach fünf Stunden den Abzweig Richtung Werder erreiche. 40 km sind jetzt bereits auf dem Tacho. Ein 8er Schnitt lässt mich optimistisch in die Zukunft blicken. Nur habe ich bisher immer zwei Punkte ausgeblendet: ab jetzt gibt es gute 15 km Gegenwind der Stärke 4 und ab jetzt paddele ich gegen die Strömung. Meine Geschwindigkeit sinkt proportional zu meiner Laune. Immerhin überhole ich diverse Paddler, die es deutlich ruhiger angehen lassen. Kein großer Trost. Der eigentlich geplante Stop in Werder fällt aus. Erst will die Gegenwindstrecke hinter mich bringen – Psychologie und so… Endlich erreiche ich den Schwielowsee und biege in den kleinen Kanal zum Petziensee. Hier ist es windstill, aber es strömt mir deutlich entgegen. Entkräftet steuere ich eine der noch wenigen freien Buchten an und mache eine kurze Pause. Allzu lange will ich aber nicht bleiben. Ein gutes Stück liegt ja noch vor mir.

Griebnitzsee

Den Templiner See hinauf geht es durch Potsdam bis irgendwann endlich die Glienicker Brücke in Sicht kommt. Rechts biege ich ein Richtung Griebnitzsee, wo ich nach 10 Stunden endlich die 70 km vollmache. Ich mache eine weitere kurze Pause, bevor es weiter geht. Auf den folgenden Kilometern mache ich immer wieder kurze Pausen im Boot, lehne mich zurück und entspanne Rücken und Hände. Auf der folgenden Strecke über Pohlesee, Kleinen Wannsee und Großen Wannsee sinkt die Motivation immer weiter. Irgendwie war der letzte Müsliriegel auch nicht der beste Kauf. Direkt nach der schmalen Durchfahrt bei Schwanenwerder mache ich erneut eine Pause. Ich muss dringend mal meine Beine ausstrecken und den Rücken entlasten. Kurz schlafe ich sogar ein, bevor es weiter geht Richtung Schleuse Spandau. Klein Venedig spare ich mir wieder – irgendwie verkraftet meine Psyche den Gedanken an einen Umweg gerade nicht, auch wenn dort die Strömung unter Umständen geringer ist…

Kurz vor der Schleuse steht am Rand einer der obligatorischen Angler. Ich mustere ihn, weil er einem Bekannten verdammt ähnlich sieht. Er bemerkt dies offenbar und meint nur: „Na, endlich auf’m Rückweg?“ Außer einem kurzen „ja“ und einem blöden Blick bekomme ich nicht viel heraus. „Ick stand heute morgen da drüben.“ meint er und zeigt auf die andere Uferseite, von wo ihn ein Stadtfest vertrieben hat. Blöder Blick wird zu einem breiten Grinsen und deutlich entspannter und motivierter geht es jetzt durch die Schleuse auf die letzten knapp 8 km. Ich beschließe, doch nicht mit dem Paddeln aufzuhören, den Hiddensee-Marathon doch nicht abzusagen und sowieso und überhaupt… Durch den direkten Weg statt durch Klein Venedig fehlen mir beim Eintreffen im Verein kurz vor 21:00 Uhr zwei wertvolle Kilometer. Endstand sind 98 km – aber wer wird denn kleinlich sein?

Das ist übrigens eine traumhafte Strecke, die man aber sinnvollerweise besser an zwei bis drei Tagen fahren sollte…

Brandungspaddeln in Sankt Peter-Ording (EPP 3)

Auf das Brandungspaddeln hatte ich mich beim EPP 3 besonders gefreut. Nachdem der Termin wetterbedingt (in diesem Jahr war es ja ewig lange ewig kalt) in den Juni verlegt worden war, geht es heute nun endlich los. Wir sind letzte Nacht zu später Stunde in Sankt Peter-Ording angekommen und haben die Zelte im Dunkeln aufgebaut. So langsam erwacht nun alles um uns herum und wir sehen, wer sonst noch so dabei ist: es gibt das ein oder andere Wiedersehen mit Teilnehmern der Spiekeroog-Tour und des Theoriekurses. Nach den üblichen Morgenritualen und ein paar Trockenübungen an Land geht es endlich aufs Wasser. Naja… erstmal heißt es Ewigkeiten über den Deich bis zum Wasser rollern – nachdem das aber geschafft ist, suchen wir uns ein schönes Plätzchen zwischen den Kitesurfern.EPP3_Brandung_01

Wir gehen in Kleingruppen auf’s Wasser. Uns wird Bernd zur Seite stehen – er soll genauso verspielt sein wie ich, was sich später als wahr herausstellen soll. Der Wind bläst kräftig mit Stärke 5, was ziemlich schöne Wellen produziert. Wir stürzen uns mitten in die Brandungszone und fahren am langen Sandstrand entlang. Jede brechende Welle wird genutzt, um flache und hohe Stütze zu üben. Dabei kommen einige spannende Seitwärtssurfs heraus. Natürlich wird auch noch „vernünftig“ gesurft und Team Bernd beweist eine 100%ige Rollquote in der Nordseebrandung.EPP3_Brandung_03 EPP3_Brandung_02  EPP3_Brandung_05 EPP3_Brandung_04 EPP3_Brandung_07 EPP3_Brandung_06 EPP3_Brandung_24 EPP3_Brandung_23 EPP3_Brandung_22 EPP3_Brandung_21 EPP3_Brandung_20 EPP3_Brandung_19 EPP3_Brandung_18 EPP3_Brandung_17 EPP3_Brandung_16 EPP3_Brandung_15 EPP3_Brandung_14 EPP3_Brandung_13 EPP3_Brandung_12 EPP3_Brandung_10 EPP3_Brandung_09

Nach dieser ersten Tuchfühlung mit den Nordseewellen geht es erstmal zurück auf den Zeltplatz. Während der Rest anschließend bei einem Landgang Latte Macchiato schlürfen geht, schnappe ich mir meinen „Kleinen“. Zum Spielen habe ich nämlich noch den Eskimo Xeno auf dem Dach gehabt, der heute das erste Mal Salzwasser sehen soll. Zwischenzeitlich haben Wind und Wellen deutlich zugenommen. Die Wellen sind höher und die Brecher kommen in immer kürzeren Abständen. Das Durchbrechen der Brandungszone fällt mir also extrem schwer. Im Leninschen Geist („Ein Schritt vorwärts, zwei zurück“) schlagen mir die Brecher immer wieder mit voller Wucht gegen die Brust und werfen mich meterweit zurück. Endlich habe ich es geschafft und paddle weiter raus. Der Xeno macht sich gut in der Brandung, ist enorm wenig und surft wie ein großer. Ich fahre auf eine brechende Welle zu, drehe auf dem Wellenkamm auf der Stelle. Etwas, was mit dem Seekajak unmöglich sein dürfte: die Welle nimmt mich mit. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, als ich Ewigkeiten später immer noch wie festgenagelt auf der Welle sitze. Dumm nur, dass ich damit wieder fast am Strand bin. Das will ich nochmal hinbekommen! Paddle also wieder gegen die brechenden Wellen an. Eine besonders heftige, schräg zu meinem Boot einlaufende Welle schmeißt mich um. Ich bin völlig orientierungslos und habe nur noch einen Reflex: raus aus dem Boot. So ein Mist, unfreiwillig geschwommen bin ich schon lange nicht mehr. Also heißt es schwimmenderweise zurück zum Strand. Die Wellen hauen immer wieder in das Boot, das so immer schwerer wird. Gefühlte Ewigkeiten später komme ich am Strand an und leere unter enormen Kraftaufwand das mittlerweile vollgelaufene Wildwasserboot. Einen Versuche unternehme ich noch. Das gleiche Spiel. Die Wellen hauen mir gegen die Brust und drücken mir die Luft aus der Lunge. Neben mir versucht ein Surfer das gleiche Spiel flachliegend auf seinem Board – ebenso erfolglos. Nach mehreren vergeblichen Versuchen haut mich wieder eine Welle um – ich bin jetzt deutlich weiter draußen und schwimme wieder an Land. Das dauert nochmal deutlich länger und ich bin absolut entkräftet. Hier siegt zur Abwechslung mal die Vernunft. Ich ziehe das Boot zum Bootswagen und von dannen.

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Am Sonntag steht eine weitere Runde in der Brandung an. Diesmal wieder in der Gruppe und im Seekajak. Der Wind weht weiterhin mit Stärke 6. Die Wellen kommen dicht hintereinander. Wie durch Butter schneide ich heute durch die Brandungswellen – wäre das nur gestern abend im Xeno genau so einfach gewesen. Die Bedingungen sind noch surffreundlicher als gestern. Ich lege einige geniale Seitwärtssurfs hin. Bernd gibt mir zudem noch ein paar eigentlich einleuchtende Tipps für’s Surfen. Mir wird klar, warum ich in der Vergangenheit dabei häufiger mal gekentert bin – nunja, man sollte darauf achten, stets zur richtigen Seite zu stützen, auch wenn sich das Boot langsam dreht. Unter anderem gelingt mir so ein herrlicher Surf, bis es mich irgendwann langsam querstellt. Ich stütze zur Abwechslung mal zur richtigen Seite, surfe seitwärts. Die Welle dreht mich wieder gerade und ich surfe weiter. Schon erwähnt, dass Seekajak fahren herrlich ist?

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